Orange, orange, orange sind alle meine Kleider. Das klingt nicht nur sperrig, das ist natürlich auch falsch. Bekanntlich heißt das Kinderlied richtig „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“. Aber: Vor dem Bundesgerichtshof (BGH) streiten sich aktuell Kläger und Beklagte eben um die Farbe „Orange“.
Worum geht es?
Was wäre, wenn eine Farbe ganz allein einem einzigen Unternehmen gehört? Genau um diese Frage dreht sich aktuell ein hochspannender Fall vor dem Bundesgerichtshof. Eine bekannte Baumarktkette hat sich bereits vor über einem Jahrzehnt den Farbton Orange als exklusives Markenzeichen schützen lassen. Doch die Konkurrenz wehrt sich massiv und fordert, dass diese Farbe wieder allen zur Verfügung stehen muss.
Der Kern des Konflikts ist die Wiedererkennung: Damit eine Farbe als geschützte Marke bestehen kann, müssen die Kunden sie quasi im Schlaf mit einer bestimmten Firma verbinden. In der Heimwerkerbranche ist das jedoch schwierig. Umfragen aus den letzten Jahren zeichnen ein uneinheitliches Bild. Während das betroffene Unternehmen davon ausgeht, dass fast jeder bei Orange an seine Märkte denkt, kommen andere Erhebungen zu dem Schluss, dass nicht einmal jeder dritte Kunde diese eindeutige Verbindung zieht. Ein Grund dafür ist die „farbenfrohe“ Nachbarschaft: Viele große Ketten nutzen seit jeher ähnliche Töne wie Rot oder Orange für ihre Logos.
Was bedeutet das für die Praxis?
Für die Wirtschaft geht es hier um weit mehr als nur um hübsche bunte Fassaden. Würde der Markenschutz für eine Farbe wie Orange bestätigt, hätte dies enorme Auswirkungen auf den Wettbewerb. Andere Firmen müssten befürchten, bei der Gestaltung ihrer Werbung oder ihrer Filialen wegen Verwechslungsgefahr abgemahnt oder verklagt zu werden. Das könnte die kreative Freiheit im Marketing massiv einschränken und Konkurrenten dazu zwingen, teure Umgestaltungen vorzunehmen. Und für Verbraucher geht es letztlich um die Frage, ob eine Farbe als Wegweiser zu einem bestimmten Anbieter dient oder ob sie lediglich ein allgemeines Symbol für die gesamte Branche ist.